Auftraggeber
Regie der Gebouwen
Standort
Dendermonde, Belgien
Justizvollzugsanstalt Dendermonde
Belgiens Gefängnisse waren Anfang der 2000er Jahre von massiver Überbelegung betroffen, wodurch der Druck auf die Inhaftierungsinfrastruktur stetig wuchs. Die Justizvollzugsanstalt Dendermonde wurde von der belgischen Gebäudeverwaltung im Rahmen des Regierungs-Masterplans für menschenwürdige Haftbedingungen aus dem Jahr 2008 in Auftrag gegeben – eine Anlage mit 444 Haftplätzen, die auf Resozialisierung, Nachhaltigkeit sowie das langfristige Wohlbefinden von Insassen und Personal ausgelegt ist.
Financial Close
Februar 2020
Bauphase
2020 – 2022
Konzessionsdauer
25 Jahre
Rückgabe
Okt. 2047
Auftraggeber
Regie der Gebouwen
Standort
Dendermonde, Belgien
Sponsor/Investor
Invesis
Konsortium
Poort van Dendermonde
Planung, Beschaffung und Bau (EPC)
BAM Interbuild BV
Betrieb und Instandhaltung
BAM Facility Management BV
Kapitalwert
€117m
Partnerschaft mit der belgischen Gebäudeverwaltung für Entwurf, Bau und Instandhaltung einer wegweisenden Justizvollzugsanstalt
Belgiens Justizvollzugssystem stand über viele Jahre hinweg unter wachsendem Druck; die Überbelegung machte den dringenden Bedarf an neuen, zweckgebundenen Einrichtungen deutlich. Der Masterplan für Inhaftierung und Internierung unter menschenwürdigen Bedingungen der belgischen Regierung aus dem Jahr 2008 definierte ein Programm zur Bewältigung dieser Herausforderung – und Dendermonde war eines seiner bedeutendsten Projekte.
Im Jahr 2020 vergab die belgische Gebäudeverwaltung den DBFM-Auftrag an Poort van Dendermonde, wobei Invesis als alleiniger Investor und Betreibergesellschaft fungierte. Durch die Zusammenarbeit mit BAM Interbuild für die Bauphase und BAM Facility Management für einen 25-jährigen Instandhaltungsvertrag übergab das Konsortium die Justizvollzugsanstalt mit 444 Haftplätzen im Oktober 2022 fristgerecht – eine beachtliche Leistung angesichts der durch COVID-19 verursachten Herausforderungen während der Bauzeit.
Die Justizvollzugsanstalt wurde von THV Jaspers-Eyers, Stephane Beel und Archivolt Architects nach den Kernprinzipien Klarheit, Tageslicht, Orientierung und Sicherheit entworfen. So entstand eine Umgebung, die Resozialisierung und Sicherheit gleichermaßen unterstützt. Bereits im ersten Betriebsjahr wurde die Kapazität in enger Abstimmung mit dem Auftraggeber um weitere 44 Plätze erweitert.
Integration von Solarenergie, Kraft-Wärme-Kopplung und nachhaltigem Design zur Schaffung einer effizienten und menschenwürdigen Anlage
Bei der Errichtung der Justizvollzugsanstalt Dendermonde stand Nachhaltigkeit im Mittelpunkt der Planung. 774 auf den Dächern installierte Solarpanels erzeugen jährlich 432 MWh Strom, ergänzt durch ein Blockheizkraftwerk, das zusätzliche Wärme und Elektrizität liefert. Eine effiziente Dämmung, Fußbodenheizung und durchgehende LED-Beleuchtung tragen zur Senkung des Energieverbrauchs bei.
16 Regenwasserzisternen mit einer Gesamtkapazität von 320.000 Litern sammeln Wasser für die Toilettenspülung und Wäscherei, unterstützt durch begrünte Dächer und sparsame Armaturen. Für das Tragwerk wurde Fertigteilbeton gewählt – langlebig, wartungsarm und eine schnellere Bauweise ermöglichend. Eine Prüfung bezüglich zusätzlicher Photovoltaikanlagen und Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge läuft derzeit in Abstimmung mit dem Auftraggeber.
Planung im Zeichen von Resozialisierung, Einbindung in das Gemeinwesen und langfristigem Wohlbefinden in Dendermonde
- Die JVA wurde nach einem menschenzentrierten Ansatz konzipiert, der natürliches Licht, Zugang zum Freien und zweckadäquate Räume bietet, welche die Resozialisierung und Wiedereingliederung der Inhaftierten in die Gesellschaft unterstützen.
- Insassen werden zur Teilnahme an Küchenarbeiten, Werkstattprojekten und Schulungen ermutigt; zudem sind in allen vier Gartenbereichen der Zellentrakte Gewächshaus- und Gartenarbeitsflächen vorgesehen.
- Ein Kunstwettbewerb während der Bauphase führte zur Auswahl und dauerhaften Integration von acht Werken lokaler Künstler in das Gebäude, wodurch eine nachhaltige Verbindung zwischen der Justizvollzugsanstalt und der umliegenden Gemeinschaft geschaffen wurde.
- Durch das Projekt wurden rund 250 Arbeitsplätze für Menschen aus den umliegenden Gemeinden geschaffen.
- Ende 2024 wurde eine erweiterte Fahrradabstellanlage fertiggestellt, die Mitarbeitende und Besucher dazu motivieren soll, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu kommen.
- Auf dem gesamten Gelände wird eine naturnahe, auf ein Minimum reduzierte Rasenpflege durchgeführt, um die lokale Biodiversität zu unterstützen.