Am 2. Dezember 2022 fand die offizielle Einweihung der Justizvollzugsanstalt Dendermonde in Belgien statt. In den vergangenen zwei Jahren hat das Konsortium „Poort van Dendermonde“, bestehend aus den federführenden Partnern Invesis, BAM Interbuild und BAM FM, intensiv daran gearbeitet, einen ehrgeizigen Zeitplan einzuhalten, um eine Justizvollzugsanstalt zu schaffen, bei der Lebensqualität, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz im Mittelpunkt stehen.
Das Gefängnis in Dendermonde wurde im Rahmen des Masterplans „Haft und Internierung unter humanen Bedingungen“ errichtet, der erstmals 2008 vom föderalen Ministerrat genehmigt wurde. Jeder Aspekt des Projekts wurde speziell darauf ausgerichtet, den Inhaftierten bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu unterstützen. Aufgrund rechtlicher Verfahren verzögerte sich der Prozess, sodass mit den Bauarbeiten erst begonnen werden konnte, nachdem im August 2020 der finanzielle Abschluss des Projekts erreicht worden war. Etwas mehr als zwei Jahre später wurden die Arbeiten abgeschlossen, und der Umzug in das neue Gefängnis ist für Mitte Februar 2023 geplant.
Der neue Komplex bietet Platz für 444 Insassen und gewährleistet eine nachhaltige, moderne und humane Haft. Er besteht aus vier separaten Gebäudeteilen, vier Zellflügeln, die um einen zentralen Überwachungskern angeordnet sind, sowie offenen Galerien, die für mehr Transparenz und ein größeres Sicherheitsgefühl sorgen. Zudem gibt es ein Logistikgebäude mit Werkstätten, einer Küche und einer Wäscherei. Die einzelnen Gebäudeteile sind durch Korridore verbunden, die teilweise aus Glaslamellen bestehen. Sharon Lubbersen, Projektleiterin bei Invesis, war an der gesamten Umsetzung des Projekts beteiligt. „Wir haben versucht, die Wohn- und Arbeitsqualität des Komplexes durch den Einsatz von Farben und Materialien wie Holz zu verbessern.“
Konstruktive Zusammenarbeit
Der Gefängniskomplex wurde im Rahmen eines Public-Private-Partnership-Vertrags beschafft, der die Planung, den Bau, die Finanzierung und die Instandhaltung (DBFM) des Projekts umfasste. Kristien Achten, Projektleiterin bei Invesis, sagte: „Wenn Herausforderungen auftraten, setzten sich der Auftraggeber und das Konsortium zusammen, und alle konzentrierten sich stets darauf, Lösungen zu finden. Dadurch entstand eine sehr transparente, konstruktive und offene Kultur im Projekt, geprägt von großem Vertrauen und gegenseitigem Respekt. Dies kam dem Projekt zugute und führte dazu, dass sowohl der Auftraggeber als auch seine Partner zu dem Schluss kamen, dass die Umsetzung des Projekts ein großer Erfolg war.“
Hilfreich war auch, dass der 2014 fertiggestellte Bau des Gefängnisses in Beveren (Belgien) als Vorbild dienen konnte. Sharon Lubbersen: „Die meisten Unternehmen des Konsortiums ‚Poort van Dendermonde‘ waren auch für die Errichtung und die Leitung des Gefängnisses in Beveren verantwortlich. Beveren wurde 2014 eingeweiht und entspricht in seiner Gestaltung weitgehend dem Gefängnis in Dendermonde, sodass wir auf die Erfahrungen zurückgreifen konnten, die wir damals während der Bauphase gesammelt hatten. So haben wir beispielsweise den Prozess optimiert, indem wir überlegt haben, wie wir intelligenter und effizienter bauen können.“
Ein Beispiel hierfür ist die Tragkonstruktion der Gebäude, die hauptsächlich aus Fertigteilen aus Beton besteht. Diese sind wirtschaftlich, langlebig und von hoher Qualität und ermöglichten den Bau der Justizvollzugsanstalt in kurzer Zeit. Auch hier war es sicherlich von Vorteil, dass dieser Fertigbeton bereits in Beveren zum Einsatz kam. Kristien Achten: „Da wir die Konstruktionen aufgrund unserer früheren Erfahrungen mit Beveren gut vorbereiten konnten, wussten wir, worauf es ankam, und das hat uns viel Zeit gespart.“
Planung und Zeitplanung
Eine wichtige Erkenntnis war, mit dem Kunden während der Bauphase einen Zeitrahmen auszuhandeln, um das komplexe System umfassend und effektiv zu testen. Doch selbst mit dieser Pufferzeit für Tests und Inbetriebnahme war der Zeitplan sehr eng. Kristien Achten: „Ich bin stolz darauf, dass wir es geschafft haben, denn wir mussten den Zeitplan ständig im Auge behalten. Schließlich brach einen Monat nach Baubeginn die Corona-Pandemie aus, mit all ihren direkten und indirekten Folgen wie Preissteigerungen und Lieferproblemen. Der EPC-Auftragnehmer (Engineering, Procurement and Construction) musste ständig Lösungen finden, wenn Materialien nicht geliefert werden konnten, und den gesamten Zeitplan immer wieder anpassen. Es ist bewundernswert, dass es uns jedes Mal gelang, alle Subunternehmer wieder einsatzbereit zu machen – am richtigen Tag und am richtigen Ort – und die Rückstände immer wieder aufzuholen. Bei einem Projekt dieser Größenordnung ist das keine Kleinigkeit.“
Nachhaltig und energiesparend
Beim Bau des Gefängnisses wurden nachhaltige und wartungsarme Materialien verwendet, wodurch ein energieeffizientes Gebäude entstand. So wurden beispielsweise insgesamt 774 Solarmodule auf den Dächern installiert, die zusammen eine Spitzenleistung von 290,25 Kilowatt erbringen. Es gibt ein Blockheizkraftwerk zur Erzeugung von Wärme und Strom aus Gas, und zur Regenwassernutzung wurden 16 Tanks mit einem Fassungsvermögen von jeweils 20.000 Litern installiert. Dieses Wasser wird für die Toiletten und die Wäscherei verwendet.
Die elektrischen Anlagen im Gebäudekomplex sind auf optimale Effizienz und Energieeffizienz ausgelegt. Und innerhalb des Komplexes kommt überall LED-Beleuchtung zum Einsatz. Kristien Achten: „Kurz gesagt: Wir haben ein Konzept aus dem Jahr 2011 in eine moderne und energieeffiziente Justizvollzugsanstalt verwandelt. Nachhaltigkeit ist für uns als Unternehmen ein echtes Vorzeigethema.“
Kunst integrieren
Durch die Einbindung lokaler Künstler wurde auch die Kunst in das DBFM-Projekt integriert. Sharon Lubbersen: „Das war ein ausdrücklicher Wunsch des Auftraggebers. Wir haben uns für lokale Kunst entschieden und die Stadt gefragt, was ihrer Meinung nach passend wäre. Dendermonde ist bekannt für die Ros Beiaard, und die Pferdekultur spielt dort eine ziemlich zentrale Rolle. Dementsprechend schuf der Künstler Dirk Van Ransbeeck eine Pferdeskulptur.“ Zusätzlich zu dieser Skulptur und den anderen Kunstwerken wurden auf Wunsch des Justizministeriums zwei originale Zellentüren aus dem Jahr 1863 aus dem alten Gefängnis von Dendermonde restauriert.
Wartungsphase
Nachdem das Gefängnis nun offiziell eröffnet wurde, kann die Instandhaltungsphase beginnen, wobei Invesis die Koordinierung übernimmt, während BAM FM für die Umsetzung verantwortlich ist. Das Konsortium wird das Gebäude dem Bundesland für 25 Jahre zur Verfügung stellen und dafür eine jährliche Verfügbarkeitsgebühr zahlen; nach Ablauf dieses Zeitraums wird das Bundesland das Gefängnis übernehmen. Sharon Lubbersen: „Wir werden dafür sorgen, dass in den nächsten 25 Jahren eine gründliche Instandhaltung durchgeführt wird, sodass das Gefängnis jederzeit optimal genutzt werden kann.“
Kristien Achten fasst zusammen: „Da wir ein qualitativ hochwertiges Projekt innerhalb der vereinbarten Frist abgeliefert haben, haben wir einen sehr zufriedenen Kunden. Derzeit arbeitet das Team bereits an einer Ausschreibung für eine weitere Justizvollzugsanstalt, und zwar mit weitgehend denselben Partnern. Hoffentlich lässt sich dieser Erfolg wiederholen.“
Um die Pressemitteilung des Kunden einzusehen, die ein Zitat von Sebald van Royen, Geschäftsführer von Invesis und Leiter des Konsortiums „Poort van Dendermonde“, enthält, klicken Sie bitte hier.











